Konsum oder Wie ich lernte, Musik zu lieben

November 6, 2007 at 7:57 (Nicht kategorisiert) (, , )

Es gab heute ein hübsches Gespräch über Menschen, die sich im Internet verkaufen wollen: User auf Single-Börsen, Communities oder Plattformen zur Selbstbeweihräuchern – wie auch immer man den Schmonz nennen will.

Ich bin ja auch gemeldet beim „Schwarzen Glück“ – für Profis natürlich nur „SG“. Neben vielen anderen ist ein Faszinosum dort die Tatsache, dass Menschen schier unendliche Listen aufführen, wenn sie nach ihren Lieblingsgruppen gefragt werden. Natürlich ist dies eine Plattform, die haupsächlich Menschen mit einem ähnlichen musischen Interesse verbindet und dewegen ist Identifikation und Zuordnung durch Musik auch wichtig. Aber die Unsäglichkeit dieser Endlos-Listen führt mich zu zwei Erklärungen:

1. Die Herrschaften sind nicht über die Begrifflichkeit des Präfixes „Lieblings-“ aufgeklärt. Also nochmal für die Langsamen: Wenn estwas mein „Liebligsessen“, „Lieblingsfilm“ oder eben meine „Lieblingsgruppe“ ist, dann esse, sehe oder höre ich diesen Liebling fast ausnahmslos und lasse nichts neben ihm stehen. Ich verstehe, wenn man mehr als eine Angabe macht – auch ich würde mich nicht darauf einigen können, ob ich lieber ein Roasted Chicken Breast Sandwich oder Schweinemedallions in Champignon-Rahmsoße esse… Das ist launenabhängig. Ebenso wie die Frage, ob ich lieber Janus oder Muse hören möchte. Aber ich möchte eine Eingrenzung – ich zähle ja auch nicht, wenn ich nach menem Leibgericht gefragt werde, sämtliche Nahrungsmittel auf, die ich je verzehrt habe.

2. Die andere Möglichkeit, die ebenso wenig schmeichelhaft ist, einen gedanklich aber zum nächsten Punkt bringt, ist, dass die Leute keine Musik hören, weil sie Musik mögen, sondern weil sie Musik nur konsumieren. Ich reite explizit auf der Nummer mit den Lieblingsbands herum, weil das immer wieder – unabhängig vom gesellschaftlich-sozialen Ramen ein Thema für mich ist, und weil gerade dieser Bereich durch eben jenes Kuriosum auffällt.

Es gibt für mich eine ganz klare Trennung zwischen „Musik hören“ und „Musik konsumieren“. Die meisten Leute, die behaupten, eines ihrer Hobbies sei „Musik hören“, meinen damit, dass den ganzen Tag, während jeder Tätigkeit, Beschallung läuft. Dummerweise ist das nur bloßer Konsum. Ich nehme mich ja nicht davon aus, jemand, der mal meinen Last.fm-Account betrachtet, wird sehen, dass ich auch den ganzen Tag irgendwas laufen habe. Zumindest meistens. Möchte ich aber Musik hören, dann kann ich nebenbei nicht viel tun – nicht arbeiten, nicht essen, kein Gespräch führen, nichtmal meine Wäsche zusammenlegen. Denn dann konzentriere ich mich auf das, was ich höre. Dann genieße ich die Musik, die ich mir zu Gemüte führe.

Und da kommen wir wieder zum Ausgangspunkt: In dieser Art „Hören“ – das geht für mich nur bei Musikern, die meiner Meinung nach wirklich (fast) ausschließlich Gutes produziert haben. Ich konnte noch nie ein ganzes Nightwish-Album anhören (nein, auch nicht mit neuer Sängerin) – die Musik läuft mir irgendwie nicht rein. Das ist nunmal mein persönlicher Geschmack. Trotzdem habe ich schon Stücke dieser ruppe gehört… in Diskotheken… manchmal komme ich auch nicht drumrum, in eine solche CD reinzuhören, weil ich sie womöglich zum Auflegen brauche. Ich habe sogar zwei Alben da – aus eben diesem Grund. Das heißt aber nicht, dass ich sie unter meinen Lieblingsbands auflisten würde.

Wenn meine Mitbewohnerin morgens in der Küche das Radio anmacht, konsumieren wir Musik – definitiv. Ebenso im Supermarkt, oder in der Kneipe. Und eben, wenn ich neben der Arbeit meinen Player ausspucken lasse, was er möchte. Aber es tut mir leid: Die alphabethische Auflistung all meiner CD’s gibt trotzdem nicht meinen wahren Musikgeschmack wieder. Vielleicht ein Grund, sich mal Gedanken zu machen, welchen Qualitätsstandart man bei etwas ansetzt, das einem doch so wichtig ist – gerade, wenn es doch hilft, mich und meine „Subkultur“ zu definieren…


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